Hinrichtungen im Iran seit 2023

Kategorie: Justiz & Hinrichtungen · Stand: Juli 2026

Zusammenfassung

Die Zahl der Hinrichtungen im Iran steigt seit 2022 stark an. Nach den Jahresberichten von Iran Human Rights (IHRNGO) und der Organisation ECPM wurden 2023 mindestens 834 Menschen hingerichtet, 2024 mindestens 975 und 2025 mindestens 1.639, der höchste dokumentierte Stand seit 1989.[1][2][3] Knapp die Hälfte der Hinrichtungen des Jahres 2025 erfolgte wegen Drogendelikten. Iran Human Rights und die UN-Fact-Finding-Mission ordnen den Anstieg als Instrument der Einschüchterung nach den landesweiten Protesten von 2022 ein.[3]

Hintergrund

Das iranische Strafrecht sieht die Todesstrafe unter anderem für Mord (im Rahmen des Vergeltungsprinzips Qisas), Drogendelikte sowie für weit auslegbare Tatbestände wie „Kriegsführung gegen Gott" (Moharebeh) und „Verdorbenheit auf Erden" (Efsad-fil-arz) vor. Todesurteile wegen Drogendelikten werden von Revolutionsgerichten verhängt; Menschenrechtsorganisationen dokumentieren dabei systematische Verstöße gegen faire Verfahrensrechte, darunter fehlenden Zugang zu Verteidigern.[3] Der Anstieg der Hinrichtungen begann nach der Niederschlagung der Proteste von 2022 (siehe Artikel JINA-Bewegung 2022). Am 8. Dezember 2022 wurde mit Mohsen Shekari erstmals ein Protestteilnehmer hingerichtet.[4]

Entwicklung der dokumentierten Zahlen

JahrHinrichtungen (mindestens)VeränderungQuelle
2023834+43 % gegenüber 2022IHRNGO/ECPM, UN-Sonderberichterstatter[1][5]
2024975+17 %IHRNGO/ECPM[2]
20251.639+68 %, Höchststand seit 1989IHRNGO/ECPM[3]

Alle Angaben sind Mindestzahlen. Ein großer Teil der Hinrichtungen wird von den iranischen Behörden nicht offiziell bekannt gegeben und beruht auf Recherchen der Organisationen bei Angehörigen und aus Gefängnissen.

Betroffene Gruppen und Muster

Reaktionen

International

Der UN-Menschenrechtsrat befasste sich wiederholt mit den steigenden Hinrichtungszahlen.[5][6] Die UN-Fact-Finding-Mission erklärte im Oktober 2025, dass Hinrichtungen, die Teil eines ausgedehnten und systematischen Angriffs auf die Zivilbevölkerung sind, Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen können und auch die beteiligten Richter dafür zur Verantwortung gezogen werden könnten.[3] Human Rights Watch bezeichnete die Hinrichtungspraxis Anfang 2026 als Teil einer sich vertiefenden Menschenrechtskrise.[7]

Inländisch

In iranischen Gefängnissen entstand die Protestbewegung „No Death Penalty Tuesdays" (dienstägliche Hungerstreiks gegen die Todesstrafe), der sich bis 2025 Gefangene in 56 Gefängnissen anschlossen. Im Oktober 2025 erreichten zum Tode verurteilte Gefangene im Ghezelhesar-Gefängnis durch einen sechstägigen Streik die vorübergehende Aussetzung von Hinrichtungen wegen Drogendelikten in diesem Gefängnis.[3]

Belege & Quellen

  1. Iran Human Rights / ECPM: Annual Report on the Death Penalty in Iran 2023, März 2024.
  2. Iran Human Rights / ECPM: Annual Report on the Death Penalty in Iran 2024, Februar 2025.
  3. Iran Human Rights / ECPM: 2025 Annual Report on the Death Penalty in Iran, April 2026.
  4. NPR: Iran carries out first known execution of a prisoner arrested in recent protests, 8. Dezember 2022.
  5. UN News: Iran: Repression continues two years after nationwide protests, 18. März 2024 (Bericht des UN-Sonderberichterstatters Javaid Rehman).
  6. UN News: Human Rights Council hears alarming updates on executions in Iran, Juni 2025.
  7. Human Rights Watch: Iran: Human Rights Situation Spirals Deeper into Crisis, 4. Februar 2026.

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